Ungarn kann bis Oktober 2027 vollständig auf Erdgasimporte aus Russland verzichten, ohne gegen die Vorschriften der Europäischen Union zu verstoßen, erklärte Wirtschafts- und Energieminister Istvan Kapitany am Freitag. Die Ankündigung markiert eine wichtige Abkehr von der Politik des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orban, der sich für eine Vertiefung der Energiebeziehungen zu Moskau eingesetzt hatte.
In einem Interview mit der Publikation Telex sagte Kapitany, Ungarn verfüge über ausreichende Pipelineverbindungen, um Gas aus anderen Quellen zu wettbewerbsfähigen Preisen zu importieren. Nach Angaben des Ministers könnte die alternative Versorgung bis Oktober 2027 sichergestellt werden – dem auf europäischer Ebene festgelegten Stichtag für die Beendigung der Importe russischen Gases.
Die Regierung in Budapest prüft außerdem erneut den Ausbau des Kernkraftwerks in Paks, ein 2014 dem russischen Unternehmen Rosatom übertragenes und seit mehreren Jahren verzögertes Projekt. Eine Entscheidung darüber, ob neue Reaktoren gebaut werden müssen, wird bis zum Jahresende erwartet, nachdem die Möglichkeit einer Verlängerung der Betriebsdauer der vier bestehenden Einheiten um 20 Jahre geprüft wurde.
Ungarn sucht außerdem nach alternativen Öl-Lieferanten, baut seine Speicherkapazitäten aus und beabsichtigt, Investitionen in die Windenergie anzuziehen sowie die Stromimporte zu reduzieren.
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