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Die Ermordung von Mehdi Kessaci in Marseille hat im Plenum des Europäischen Parlaments einen beispiellosen Aufruf zu gemeinsamen Maßnahmen gegen den Drogenhandel ausgelöst, während die Kommission warnt, dass die Hälfte der in der EU begangenen Morde bereits mit Drogenbanden in Verbindung steht.
Strasbourg, 15. Dezember 2025 – Die Ermordung von Mehdi Kessaci, einem 20-jährigen Mann, der mitten auf der Straße in Marseille in einem von den französischen Behörden als Einschüchterungsakt der Drogenhändler betrachteten Verbrechen hingerichtet wurde, hat eine der angespanntesten und einheitlichsten Debatten des Europäischen Parlaments in den letzten Jahren ausgelöst. Die Europäische Kommission hat durch Kommissar Christophe Hansen eine schockierende Warnung ausgesprochen: „Jetzt sind 50 % aller Morde in Europa mit dem Drogenhandel verbunden. Die Situation ist bereits außer Kontrolle geraten.“
Kurz gesagt
1. Kommissar Christophe Hansen: „50 % der Morde in Europa sind mit dem Drogenhandel verbunden.“
2. Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments qualifizieren die Ermordung von Mehdi als „mafiöse Einschüchterungscrime“.
3. Das Parlament fordert strengere Kontrollen in den Häfen, polizeiliche Zusammenarbeit und die Stärkung von Europol, Frontex und der EU-Drogenagentur.
4. Die politischen Gruppen warnen vor dem Anstieg der von den Netzwerken kontrollierten „Parallelwirtschaften“.
Hansen betonte, dass das Phänomen weit über nationale Grenzen hinausgeht und dass Häfen wie Marseille als „Eingangstore für den gesamten Kontinent“ genutzt werden. Um der Bedrohung zu begegnen, fordert die Kommission die Stärkung von Europol, Frontex, der EU-Drogenagentur und der neuen EU-Zollbehörde sowie die Beschleunigung der Umsetzung der neuen Europäischen Drogenstrategie und des zugehörigen Aktionsplans.
Von den politischen Gruppen waren die Reaktionen außergewöhnlich konvergent. François-Xavier Bellamy (PPE) charakterisierte die Ermordung von Mehdi als „ein Alarmzeichen für ganz Europa“ und warnte, dass „das Geld aus dem Drogenhandel versucht, den Staat zu ersetzen und die Kontrolle über Stadtviertel und Institutionen zu übernehmen“. Nora Mebarek (S&D) betonte die menschliche Dimension: „Die Kriminellen rekrutieren Kinder, versprechen schnelles Geld, führen sie aber ins Gefängnis oder in den Tod.“
Für die Gruppe Renew beschrieb Valérie Hayer das Verbrechen als „eine Einschüchterungs-Exekution im mafiösen Stil“ und forderte eine „europäische Revolution gegen den Drogenhandel“. Fabrice Leggeri (PfE) erklärte, dass „Frankreich kein Narco-Staat werden wird und Europa kein Paradies für Drogenhändler sein wird“, und betonte die Notwendigkeit einer koordinierten Antwort auf EU-Ebene.
Die Debatten hoben auch die zentrale Rolle der Häfen und großen Städte im Drogenvertrieb sowie den Anstieg der mit den Netzwerken verbundenen Gewalt hervor – von mehreren Abgeordneten als „stiller Terrorismus“ beschrieben. Sandro Ruotolo (S&D) und Grégory Allione (Renew) wiesen auf die Rekrutierung von Minderjährigen in Drogentransport- und -sammlungsoperationen hin.
Ein emotionaler Höhepunkt war die Anwesenheit von Amine Kessaci, dem Bruder von Mehdi und einem bekannten Aktivisten gegen den Drogenhandel. Mehrere Abgeordnete zollten ihm Respekt für seinen zivilen Mut und erklärten: „Deine Stimme wird nicht zum Schweigen gebracht, und Europa steht an deiner Seite.“
Abschließend betonte Kommissar Hansen: „Um Mehdis Andenken zu ehren, müssen wir jetzt handeln. Es gibt keine Kompromisse, wenn es darum geht, das Leben junger Europäer zu schützen.“
Die Geschichte der Brüder Kessaci
Der erste Akt der Tragödie der Familie Kessaci geht auf 2020 zurück, als Brahim, der älteste Bruder, in einem mit dem Drogenhandel verbundenen Angriff ermordet wurde. Sein Tod hat die Familie tief getroffen und die Transformation des mittleren Bruders Amine in eine öffentliche Stimme gegen die narco Gewalt ausgelöst. In einer Stadt wie Marseille, wo kriminelle Netzwerke das tägliche Leben in ganzen Stadtvierteln prägen, stellt der Akt, öffentlich zu sprechen, eine seltene Form des Widerstands dar.
Amine hat systematisch die Mechanismen der Netzwerke angeprangert, was in der Veröffentlichung seines Buches „Marseille, essuie tes larmes“, inspiriert durch die Ermordung von Brahim, gipfelte. Er wurde zu einem Symbol des zivilen Kampfes, kritisierte die Unfähigkeit des Staates, schutzbedürftige Gemeinschaften zu schützen. Die narco Netzwerke haben ihn allmählich als Bedrohung identifiziert – nicht durch physische Gewalt, sondern durch seine Sichtbarkeit und seinen Einfluss.
Am 13. November 2025 wurde die Familie erneut getroffen. Mehdi, das Nesthäkchen der Familie, wurde mitten auf der Straße hingerichtet. Er war erst 20 Jahre alt und wollte Polizist werden. Die französischen Behörden beschrieben den Angriff als „Einschüchterungscrime“, der sich gegen Amine richtete, indem er seine Familie traf. In der Logik der narco Netzwerke kann das Schweigen kritischer Stimmen durch die Eliminierung ihrer Angehörigen erreicht werden.
Mehdís Tod wurde zum Symbol einer umfassenderen Realität: narco Gewalt ist nicht mehr nur ein lokales Phänomen, sondern ein direkter Angriff auf die Zivilgesellschaft und den Rechtsstaat. Deshalb gelangte der Fall ins Plenum des Europäischen Parlaments, wo er als Alarmzeichen für ganz Europa behandelt wurde. Amines Anwesenheit im Plenarsaal verwandelte die Debatte in ein gemeinsames Plädoyer – selten in der europäischen Politik – für koordinierte Maßnahmen gegen die Drogennetzwerke.
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