Kallas bezeichnete die über die Europäische Friedensfazilität verfügbaren Mittel als einen unmittelbaren Weg, die militärische Unterstützung aufzustocken. Sie erklärte, dass sie mit den Mitgliedstaaten an der Auszahlung der Mittel arbeite, formulierte die Summe von einer Milliarde Euro jedoch als Unterstützung, die gewährt werden könnte. In ihrer Wortmeldung legte sie weder eine endgültige Zuweisungsentscheidung noch eine Ausrüstungsliste oder einen Zeitplan für die Überweisung vor.
Die Europäische Friedensfazilität funktioniert außerhalb des EU-Haushalts und wird von den Mitgliedstaaten entsprechend ihrem Bruttonationaleinkommen finanziert. Ihre Unterstützungsmaßnahmen können militärische Ausrüstung, Infrastruktur und technische Hilfe abdecken. Nach Angaben des Rates umfasste die Unterstützung für die Ukraine über diesen Mechanismus Munition, Raketen, Treibstoff und Schutzausrüstung; Kallas’ Ankündigung präzisiert nicht, für welche dieser Kategorien die neue Milliarde bestimmt ist.
Im diplomatischen Bereich erklärte Kallas, sie arbeite mit internationalen Partnern an einem Moratorium im Schwarzen Meer und die Gespräche würden in der Woche nach ihrer Wortmeldung in New York fortgesetzt. Sie verwies auf Angriffe auf Häfen, den Handelsverkehr, Lagerhäuser und die logistische Infrastruktur und erklärte, dass diese die ukrainischen Exporte beeinträchtigten und die Ernährungsunsicherheit verschärften. In der Rede werden die Teilnehmer der Treffen nicht namentlich genannt und weder die Dauer noch die Bedingungen eines möglichen Moratoriums festgelegt.
Eine Darstellung des Europäischen Auswärtigen Dienstes vom 7. September präzisiert die verfolgten Ziele. Sie fordert die Einstellung der Angriffe auf die Getreideinfrastruktur, Häfen und den Seeverkehr sowie die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen. Dabei handelt es sich um diplomatische Forderungen, nicht um eine angekündigte Vereinbarung zwischen den Parteien.
Nach Angaben des europäischen diplomatischen Dienstes mildern die Solidaritätskorridore die Störungen, ersetzen jedoch nicht den sicheren Zugang zu den Häfen des Schwarzen Meeres. Die beschriebene Unterstützung umfasst die Lagerung von Getreide, finanzielle Lösungen für Landwirte und die Koordinierung des grenzüberschreitenden Verkehrs.
Kallas forderte außerdem eine Verstärkung der bilateralen Hilfe, insbesondere seitens der Partner außerhalb der EU. Zum Abschluss der Debatte erklärte sie, Russland müsse mit der Ukraine verhandeln, während die anderen Akteure die Gespräche erleichtern oder vermitteln könnten. Ihrer Einschätzung zufolge sollte sich die Bereitschaft Moskaus zu Verhandlungen durch die Annahme von Waffenruhen zeigen; bis dahin müsse die EU die Sanktionen und die Unterstützung für die Verteidigung der Ukraine fortsetzen.
Die Vorbereitung auf den Winter bleibt ein weiterer Bestandteil der von Kallas beschriebenen Unterstützung. Sie verwies auf 75 Millionen Euro, die in diesem Jahr für die Reparatur und Isolierung von Wohnungen sowie für lebenswichtige Güter, darunter Generatoren und Ausrüstung für Trinkwasser, bereitgestellt wurden. Diese Finanzierung hat einen eindeutig zivilen Zweck, der sich von der zusätzlich erörterten Milliarde für militärische Hilfe unterscheidet.
Die beiden Vorhaben wurden in der Debatte des Europäischen Parlaments vom 16. September über die Unterstützung der Ukraine angesichts der Eskalation des russischen Krieges vorgestellt. Die Wortmeldung legt die von Kallas verfolgten Richtungen fest, lässt jedoch die Entscheidung über die militärische Finanzierung und die Bedingungen der Initiative im Schwarzen Meer offen. Die in New York angekündigten Gespräche sind die nächste öffentlich erwähnte diplomatische Etappe der Chefdiplomatin der EU.
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