Die Europäische Kommission wendet sich gegen die Kürzungen in Höhe von einer Milliarde Euro, die der Rat gegenüber dem Entwurf des EU-Haushaltsplans für 2027 vorschlägt, darunter geringere Mittel für Forschung, Erasmus+, Gesundheit und digitale Infrastruktur. Im Plenum des Europäischen Parlaments in Straßburg bezeichnete der Haushaltskommissar Piotr Serafin die Kürzungen als ungerechtfertigt, während die irische Ratspräsidentschaft die Begrenzung bestimmter Ausgabensteigerungen mit dem Druck auf die nationalen Haushalte verteidigte.
Kurz gesagtDer Streit betrifft die Abweichungen vom Kommissionsentwurf für 2027. Der Rat vertritt die Auffassung, dass einige Steigerungen gegenüber dem Haushalt 2026 gedämpft werden müssen, während Serafin erklärt, der ursprüngliche Vorschlag sei bereits vorsichtig und an die verfügbaren Ressourcen angepasst gewesen.
Der Berichterstatter Nils Ušakovs verwies auf Kürzungen von 159 Millionen Euro bei Erasmus+ und von mehr als 230 Millionen Euro bei Horizont Europa. Die in der Debatte genannten Beträge beschreiben die umstrittene Position des Rates, stellen jedoch keine endgültig verabschiedeten Mittelzuweisungen dar.
Simon Harris legte eine Position von 191,9 Milliarden Euro an Verpflichtungen und 202,1 Milliarden Euro an Zahlungen vor, ohne die Mittel für spezielle Instrumente außerhalb der Obergrenzen des mehrjährigen Finanzrahmens. Die beiden Werte messen unterschiedliche Kategorien und werden nicht addiert, um den Haushalt zu ermitteln.
Die Kommission wendet sich auch gegen die Kürzung des für die Finanzierungskosten von NextGenerationEU vorgesehenen Betrags um 180 Millionen Euro. Die Schätzungen sollen vor den abschließenden Verhandlungen aktualisiert werden.
Die irische Ratspräsidentschaft strebt im November eine Einigung an. Das Parlament muss seine Position noch festlegen, und die Unterschiede zum Rat können im Vermittlungsverfahren ausgehandelt werden.
Serafin argumentierte, dass 2027 das letzte Jahr des derzeitigen mehrjährigen Finanzrahmens sei und nur begrenzte Möglichkeiten bestünden, Ressourcen umzuverteilen oder auf zusätzlichen Bedarf zu reagieren. Seiner Ansicht nach ermöglicht der Kommissionsentwurf die Einhaltung der Verpflichtungen der Union, während die Kürzungen des Rates Programme beeinträchtigen, mit denen die Union gerade die von den Mitgliedstaaten übernommenen Prioritäten finanziert.
Der Kommissar nannte Horizont Europa, das Forschungsprogramm, das Programm Digitales Europa und die Fazilität „Connecting Europe“ sowie Erasmus+, EU4Health und die Programme für Rechte und Werte. Seine Kritik richtet sich gegen die Verringerung der Mittel gegenüber dem von der Kommission vorgeschlagenen Niveau. Dies bedeutet nicht, dass jedes dieser Programme automatisch weniger Geld als 2026 erhalten würde.
Der Berichterstatter des Parlaments für den Kommissionsabschnitt des Haushalts, Nils Ušakovs, stellte sowohl die Beträge als auch die vom Rat angewandte Methode infrage. Seiner Einschätzung zufolge gehen die Anpassungen von den Niveaus des Jahres 2026 aus und verringern die Steigerungen, ohne den Bedarf jedes Programms, die Fähigkeit zur Nutzung der Mittel oder die politischen Prioritäten ausreichend zu prüfen.
Für Erasmus+ verwies Ušakovs auf eine Kürzung um 159 Millionen Euro gegenüber dem Kommissionsentwurf. Für Horizont Europa sprach er von einer Gesamtkürzung um mehr als 230 Millionen Euro, innerhalb derer die Gesundheitskomponente 74,5 Millionen Euro verlieren würde. Der Berichterstatter stellte diese Beträge den Zusagen der irischen Ratspräsidentschaft gegenüber, die Bildungs- und Ausbildungsmobilität sowie Innovation im Gesundheitsbereich zu unterstützen.
In derselben Wortmeldung nannte Ušakovs 41 Millionen Euro weniger für EU4Health, 47 Millionen Euro für die Fazilität „Connecting Europe“ und 55 Millionen Euro für Digitales Europa. Er erklärte, die Haushaltslinie für digitale Kompetenzen würde um mehr als ein Drittel gekürzt, und forderte das Parlament zu einem gemeinsamen Gegenvorschlag auf, der sich an den Prioritäten der Programme orientiert.
Bei der Vorstellung der Position des Rates erklärte der irische Finanzminister Simon Harris, einige der von der Kommission vorgeschlagenen Steigerungen müssten moderater ausfallen, um der Lage der öffentlichen Finanzen der Mitgliedstaaten Rechnung zu tragen. Er erklärte, die Staaten hätten darauf abgezielt, ihre Fähigkeit zur Krisenreaktion zu bewahren, den Einsatz spezieller Instrumente zu begrenzen und Ressourcen für unvorhergesehene Bedürfnisse verfügbar zu halten. Harris präzisierte, dass die humanitäre Hilfe im Vergleich zum Kommissionsvorschlag hingegen aufgestockt worden sei.
Den von Harris vorgelegten Zahlen zufolge sieht die Position des Rates 191,9 Milliarden Euro an Verpflichtungsermächtigungen und 202,1 Milliarden Euro an Zahlungsermächtigungen vor, wobei die speziellen Instrumente außerhalb der Obergrenzen des mehrjährigen Finanzrahmens ausgeschlossen sind. Verpflichtungen ermöglichen die Übernahme rechtlicher Pflichten, etwa durch Verträge oder Zuschüsse, die über mehrere Jahre bezahlt werden können. Zahlungen decken die im Haushaltsjahr zu zahlenden Beträge ab, einschließlich für zuvor eingegangene Verpflichtungen.
Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Finanzierungskosten von NextGenerationEU. Serafin kritisierte eine Kürzung um 180 Millionen Euro bei dieser Haushaltslinie und erklärte, sie sei auf Grundlage der verfügbaren Informationen nicht gerechtfertigt. Harris stellte den Ansatz des Rates bei den im Rahmen des Aufbauinstruments vorgezogenen Zahlungen als vorsichtiger dar.
Die Kommission werde den Bedarf für Zinsen, das Unterstützungsdarlehen für die Ukraine, Verwaltungsausgaben und Landwirtschaft in einem Berichtigungsschreiben aktualisieren, erklärte Serafin. Nach der Festlegung der Position des Parlaments werde die Kommission außerdem eine Bewertung der Möglichkeit übermitteln, die von den Abgeordneten geforderten Änderungen umzusetzen, und zwar als Dokument für das Vermittlungsverfahren.
Der Jahreshaushalt wird vom Europäischen Parlament und vom Rat auf Grundlage des Kommissionsentwurfs innerhalb der Grenzen des mehrjährigen Finanzrahmens verabschiedet. Weichen die Positionen der beiden Gesetzgeber voneinander ab, hat ein Vermittlungsausschuss drei Wochen Zeit, einen Kompromiss zu finden, der anschließend von beiden Seiten gebilligt werden muss.
Harris nannte den November als Ziel für eine Einigung über den Haushalt 2027. Die Verhandlungen müssen klären, in welchem Umfang die umstrittenen Kürzungen beibehalten werden und wie Programme, Darlehenskosten und Rücklagen für unvorhergesehene Situationen im letzten Jahr des Finanzrahmens 2021–2027 finanziert werden.
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