Die Europäische Kommission hat den Mitgliedstaaten einen Fragebogen zu den zusätzlichen Anforderungen geschickt, die bei der Anwendung des EU-Rechts eingeführt werden, und bereitet eine Reihe bewährter Verfahren zu ihrer Ermittlung und Vermeidung vor. Kommissar Valdis Dombrovskis kündigte im Europäischen Parlament außerdem eine Konsultation der Interessenträger an, mit der die administrativen Kosten gesenkt werden sollen, die insbesondere kleinen Unternehmen entstehen.
Kurz gesagtDie Kommission sammelt Informationen über nationale Praktiken, um Instrumente zur Ermittlung und Vermeidung zusätzlicher Anforderungen vorzubereiten. Dombrovskis nannte keinen genauen Termin für ihre Veröffentlichung.
Die Analyse der nationalen Hindernisse im Rahmen des Europäischen Semesters wird 2027 vertieft. Die Kommission beabsichtigt außerdem, die Kooperationsmechanismen für die Anwendung der Regeln des Binnenmarkts zu nutzen.
Vertragsverletzungsverfahren sind weiterhin auf Verstöße gegen das EU-Recht beschränkt. Die Beseitigung zusätzlicher Belastungen, die rechtmäßig bleiben, hängt von der Beteiligung der Mitgliedstaaten ab.
Die betreffende Praxis, bekannt als Gold-Plating, tritt auf, wenn ein Staat den Anwendungsbereich einer europäischen Norm erweitert, strengere Verpflichtungen einführt oder aufwendigere Verfahren verwendet, als notwendig ist. Für ein Unternehmen, das in mehreren Ländern tätig ist, können die Unterschiede bedeuten, dass von Markt zu Markt unterschiedliche Anforderungen erfüllt werden müssen. Dombrovskis warnte, dass diese Kosten grenzüberschreitende Tätigkeiten abschrecken können, da kleine Unternehmen weniger Kapazitäten haben, sie zu tragen.
Der an die Regierungen übermittelte Fragebogen soll Informationen über die nationalen Ansätze sammeln. Die Antworten bilden zusammen mit der Konsultation der Interessenträger einen ersten Schritt bei der Vorbereitung der Reihe bewährter Verfahren. Die Kommission will Probleme auch durch die von den Kommissaren organisierten Dialoge über die Anwendung der Rechtsvorschriften ermitteln. Diese Treffen sind Teil des Mechanismus, mit dem die Kommission praktische Erfahrungen derjenigen sammelt, die europäische Vorschriften einhalten müssen.
Dombrovskis nannte das Europäische Semester, die Taskforce für die Durchsetzung der Binnenmarktvorschriften und die nationalen Vertreter für den Binnenmarkt als Kanäle zur Ermittlung und Weiterverfolgung von Hindernissen. Dem Kommissar zufolge enthalten das Frühjahrspaket und die an die Staaten gerichteten Empfehlungen für 2026 bereits mehrere Verweise auf solche Hindernisse. Die Analyse wird im nächsten Jahr vertieft.
Die rechtliche Grenze des Vorhabens ist von entscheidender Bedeutung. Einige zusätzliche Anforderungen verstoßen gegen das EU-Recht, und die Kommission kann durch Vertragsverletzungsverfahren eingreifen. Andere spiegeln nationale Optionen wider, die nach dem europäischen Recht zulässig sind. Dombrovskis erkannte diesen Unterschied ausdrücklich an und wies darauf hin, dass die Verringerung der Belastungen der zweiten Kategorie von der Zusammenarbeit der Staaten abhängt. Die Ankündigung führt kein allgemeines Verbot strengerer nationaler Standards ein.
Die Kommission verfolgt auch das Ziel, solche Unterschiede bei der Ausarbeitung von Legislativvorschlägen zu verhindern. Zu den genannten Optionen gehören der Einsatz von Verordnungen anstelle von Richtlinien, wo dies angemessen ist, sowie die Formulierung von Vorschriften, die weniger Spielraum für zusätzliche Anforderungen lassen. Dombrovskis betonte, dass das Parlament und der Rat ihrerseits eine Rolle bei der endgültigen Gestalt der Rechtsvorschriften spielen.
Im Namen der irischen Ratspräsidentschaft unterstützte Thomas Byrne die Vorbereitung der Reihe bewährter Verfahren und warnte, dass die auf europäischer Ebene vereinbarte Vereinfachung beeinträchtigt werden kann, wenn Verpflichtungen bei der nationalen Anwendung wieder eingeführt werden. Er erinnerte daran, dass der Abbau von Belastungen die Vorhersehbarkeit, die Ziele der europäischen Politik und die hohen Standards wahren muss.
Die Initiative setzt den von der Kommission im April 2026 vorgestellten Plan für klarere, einfachere und besser angewandte europäische Vorschriften fort. Dieser umfasst die Unterstützung der Staaten bei der Ermittlung unnötiger Komplexität, die durch strengere oder weitergehende nationale Anforderungen als die europäischen geschaffen wird. Der Fragebogen und die in Vorbereitung befindlichen Instrumente sind Schritte zur Umsetzung dieses Plans; die konkrete Beseitigung einer Verpflichtung wird von ihrer rechtlichen Natur und den anschließend ergriffenen Maßnahmen abhängen.
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