Das CANVAS-Konsortium enthüllt, wie die Tumorumgebung die Immunerkennung verändert und den Weg für effektivere T-Zell-Therapien ebnet.
Gdańsk, 15. Januar 2026 – Ein großes Hindernis bei der Umwandlung der Onkologieforschung in konkrete Behandlungen könnte durch das von der EU finanzierte Projekt CANVAS überwunden worden sein. Die Forscher haben eine neue Methode zur Identifizierung spezifischer "Marker" auf Tumorzellen entwickelt, die Immunzellen nutzen, um Krebs anzugreifen, insbesondere bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC). Die Studie hebt eine kritische Entdeckung hervor: Die Umgebung, in der ein Tumor wächst, verändert drastisch, wie er für das Immunsystem "aussieht".
Kurz gesagt
Das Projekt CANVAS hat eine Methode zur Identifizierung von Neoantigenen für die personalisierte T-Zell-Therapie bei Lungenkrebs entwickelt.
Eine Pilotstudie hat gezeigt, dass das "Peptid-Repertoire" eines Tumors signifikant in Abhängigkeit von seiner Umgebung (Laboranbau vs. menschlicher Körper) variiert, was erklärt, warum viele im Labor bewährte Therapien bei Patienten scheitern.
Die Forscher konnten einzigartige und stabile Merkmale des Krebses identifizieren, die mehreren Patienten und Modellen gemeinsam sind und als geeignete Ziele für zukünftige Immuntherapien dienen.
T-Zellen sind die Soldaten des Immunsystems, die normalerweise gegen Infektionen kämpfen. Wenn sie darauf vorbereitet sind, spezifische Antigene (Proteine) auf Krebszellen zu erkennen, können sie zu mächtigen Werkzeugen zur Behandlung von Krebs werden. Die Auswahl des richtigen Zielmarkeres ist jedoch entscheidend. Das Projekt CANVAS – geleitet vom Internationalen Zentrum für Impfstoffwissenschaften gegen Krebs (ICCVS) der Universität Gdańsk, in Zusammenarbeit mit der Universität Rom Tor Vergata, CEA in Frankreich und der polnischen Biotechnologie Real Research – hat sich zum Ziel gesetzt, den Grund zu klären, warum so viele vielversprechende Therapien scheitern, wenn sie von Labor zu Patient übergehen.
"Wir wollten verstehen... wie die Umgebung des Krebsmodells den Tumor und dessen Interaktion mit dem Immunsystem beeinflusst", erklärte Natalia Marek-Trzonkowska, Direktorin des ICCVS. Das Team konzentrierte sich auf Peptide – Aminosäureketten, die auf der Oberfläche von Zellen angezeigt werden und die T-Zellen zur Erkennung von Bedrohungen nutzen. Sie verglichen diese Peptide in verschiedenen Umgebungen: im Inneren eines Patienten, in 2D- und 3D-Laboranbaukulturen und in Tiermodellen.
Die Entdeckungen waren klar. Die Studie zeigte erstmals, dass das "Peptid-Repertoire" signifikant zwischen einem primären Tumor bei einem Patienten und demselben Krebs, der in einem Labormodell gewachsen ist, variiert. Diese Diskrepanz erklärt, warum Immunzellen, die Krebs in einer Petrischale abtöten, oft nicht in der Lage sind, den Tumor im menschlichen Körper zu erkennen. Dennoch entdeckte das Team auch "positive Aspekte": einzigartige Merkmale von NSCLC, die von Tumoren verschiedener Patienten getragen werden und in allen Modellen erhalten bleiben.
"Diese Merkmale des Krebses sind geeignete Ziele für die Krebsimmuntherapie", bemerkte Marek-Trzonkowska. Durch die Unterscheidung zwischen Umgebungsartefakten und stabilen Krebsmarkern hat das Projekt CANVAS eine solide Grundlage für die Entwicklung präziser und sicherer Immuntherapien geschaffen, die den Übergang vom Labor zur Klinik überstehen können.
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