Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Unterstützung für den Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angekündigt, die Energieinfrastruktur in der Ukraine und in Russland sowie die globale Lebensmittelversorgung vor neuen Angriffen zu schützen. Dies geschah nach einem Gespräch zwischen den beiden am 11. Oktober. Die Botschaft geht mit der Vorbereitung einer neuen europäischen Unterstützung für Drohnen und Raketen sowie mit der Aussicht auf einen weiteren Schritt in den Beitrittsverhandlungen der Ukraine mit der EU einher.
Die Erklärungen bestätigen jedoch nicht, dass bereits ein vereinbarter und umgesetzter Energie-Waffenstillstand besteht. Selenskyj erklärt, die Ukraine sei bereit, Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur zu unterlassen, und erwarte Gegenseitigkeit sowie klarere Informationen über die Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Russland. Die verfügbaren Quellen beschreiben somit einen Vorschlag und politische Bereitschaft, jedoch kein vor Ort überprüftes Abkommen.
Kurz gesagt unterstützte Ursula von der Leyen den Aufruf Wolodymyr Selenskyjs zu einer Einstellung der Angriffe, die die globale Lebensmittelversorgung sowie die Energieinfrastruktur in der Ukraine und in Russland schützen soll. Die Kommission erklärt, dass die EU im Laufe der Woche zusätzliche Finanzmittel für Drohnen und Raketen zur Verteidigung der Ukraine bereitstellen werde, ohne den Betrag in der Mitteilung vom 11. Oktober zu nennen. Das Präsidialamt der Ukraine erklärt separat, es gehe um etwa 3 Milliarden EUR an Militärhilfe. Der Betrag bleibt der ukrainischen Seite zugerechnet, bis die EU den Mechanismus und die Zahlung bestätigt. Von der Leyen kündigte außerdem die Aussicht auf die Eröffnung von zwei weiteren Clustern in den Beitrittsverhandlungen an. Ihre Eröffnung wird noch nicht als rechtlich abgeschlossene Entscheidung dargestellt. Die Unterstützung für die Ukraine, die Finanzierung und die Erweiterung werden beim Europäischen Rat am 15.–16. Oktober erneut auf der Tagesordnung der europäischen Staats- und Regierungschefs stehen.
Die von von der Leyen verwendete Formulierung bezieht sich auf zwei Kategorien von Infrastruktur mit direkten zivilen und wirtschaftlichen Auswirkungen. Im Energiebereich würde eine Einstellung der Angriffe das Risiko von Unterbrechungen der Stromversorgung, der Heizung und anderer grundlegender Dienstleistungen begrenzen. Bei der Lebensmittelversorgung geht es über das ukrainische Staatsgebiet hinaus, da der Betrieb von Transport-, Lager- und für Exporte erforderlichen Infrastrukturen Märkte und Verbraucher außerhalb des Kriegsgebiets beeinflusst.
Der Vorschlag stellt jedoch keinen allgemeinen Waffenstillstand dar. Von der Leyen spricht von einer Einstellung der Angriffe, die die Lebensmittelversorgung und die Energieinfrastruktur schützen würde, während Selenskyj erklärt, die Ukraine sei bereit, die russische Energieinfrastruktur nicht anzugreifen, sofern Gegenseitigkeit bestehe. Weder die Mitteilung der Kommission noch die analysierten offiziellen ukrainischen Mitteilungen beschreiben einen vereinbarten Überprüfungsmechanismus, ein Inkrafttreten oder von allen Parteien akzeptierte Verpflichtungen.
Selenskyj verknüpfte diese Bereitschaft mit den laufenden Gesprächen zwischen Washington und Moskau und erklärte, er erwarte klarere Einzelheiten. Zugleich berichtet die ukrainische Seite weiterhin über russische Angriffe. Das bedeutet, dass politische Erklärungen zum Schutz der Infrastruktur nicht in die Aussage umgewandelt werden können, die Angriffe seien bereits eingestellt worden.
Parallel dazu bereitet die EU die Fortsetzung ihrer Militärhilfe vor. Von der Leyen erklärte, die Union werde im Laufe der Woche zusätzliche Finanzmittel für Drohnen und Raketen bereitstellen, die der Stärkung der ukrainischen Verteidigung und dem Schutz des ukrainischen Luftraums dienen sollen. Die Mitteilung der Kommission nennt weder die Höhe dieser Unterstützung noch den genauen Mechanismus ihrer Bereitstellung.
Das Präsidialamt der Ukraine liefert zusätzliche Informationen und erklärt, Selenskyj habe während des Gesprächs für die Bestätigung einer Militärhilfe von etwa 3 Milliarden EUR für die folgende Woche gedankt. Dieser Betrag muss genau dieser Quelle zugerechnet werden. Bis zur Veröffentlichung einer Entscheidung, einer Finanzmitteilung oder einer Zahlung seitens der EU kann die Summe nicht als bereits überwiesene Tranche dargestellt werden.
Die Unterscheidung ist auch wichtig, um eine Doppelzählung bereits angekündigter Finanzierungen zu vermeiden. Die EU hat zuvor Zahlungen für die Verteidigung der Ukraine geleistet, unter anderem für Drohnen und Raketen. 2EU hat bereits über eine Tranche von 1,24 Milliarden EUR und die Vorbereitung einer Finanzierung für 2027 berichtet. Diese Beträge werden nicht dadurch zu neuen Finanzierungen, dass sie im politischen Gespräch vom 11. Oktober erneut erwähnt werden.
Das umfassendere Finanzinstrument ist der Ukraine Support Loan, den die Kommission mit einer Kapazität von 90 Milliarden EUR für 2026–2027 beschreibt. Davon sind 60 Milliarden EUR für die Verteidigung und 30 Milliarden für die Haushaltshilfe vorgesehen. Die beiden Komponenten haben unterschiedliche Funktionen: Die eine finanziert Verteidigungsfähigkeiten und -produkte, die andere trägt zum Funktionieren des ukrainischen Staates bei.
Die Kommission hatte am 18. September eine separate Zahlung von 3,3 Milliarden EUR für die Verteidigung angekündigt, unter anderem für Drohnen und Raketen. Diese Tranche ist eine frühere Operation und darf nicht mit der am 11. Oktober angekündigten zusätzlichen Unterstützung verwechselt werden. Die Ähnlichkeit der Beträge bedeutet nicht, dass es sich um dieselbe Zahlung handelt oder dass der Wert der früheren Tranche automatisch auf die neue Ankündigung übertragen werden kann.
Das Gespräch zwischen von der Leyen und Selenskyj umfasste auch die Verhandlungen über den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union. Die Kommissionspräsidentin erklärt, dass zwei weitere Kapitel-Cluster eröffnet werden sollen. Die Mitteilung nennt diese nicht und stellt die Entwicklung nicht als bereits durch eine Beitrittskonferenz formalisiert dar.
Die Verhandlungen mit der Ukraine wurden im Juni 2024 offiziell eröffnet. Im Beitrittsprozess werden die Kapitel des europäischen Rechts und der europäischen Politik in Cluster gruppiert. Die Eröffnung eines Clusters ermöglicht den Übergang zu einer vertieften Phase der Verhandlungen, Reformen und Bewertung. Sie bedeutet weder den Abschluss der betreffenden Kapitel noch eine automatische Annäherung an einen bestimmten Beitrittstermin.
Der Rat dokumentierte 2026 die Eröffnung von Cluster 1, das den Grundlagen des Beitrittsprozesses gewidmet ist, sowie von Cluster 6 zu den Außenbeziehungen. Die Ankündigung von von der Leyen weist auf die Absicht hin, den Prozess mit zwei weiteren Kapitelgruppen voranzutreiben. Der nächste formale Schritt erfordert jedoch die spezifischen Verfahren der Beitrittsverhandlungen und die notwendigen Vereinbarungen auf Ebene der Mitgliedstaaten.
Die drei Bestandteile des Gesprächs – der Schutz ziviler Infrastruktur, die Finanzierung der Verteidigung und die Fortschritte beim Beitritt – werden in den kommenden Tagen erneut auf der europäischen Agenda stehen. Von der Leyen erklärte, die Ukraine werde beim Europäischen Rat am 15.–16. Oktober eine zentrale Rolle einnehmen. Dort sollen die Staats- und Regierungschefs den Finanzierungsbedarf für das kommende Jahr und Möglichkeiten zur Mobilisierung zusätzlicher internationaler Unterstützung erörtern.
Das Treffen hat noch nicht stattgefunden, und seine Tagesordnung darf nicht mit den daraus hervorgehenden Entscheidungen verwechselt werden. Es bietet jedoch den nächsten Prüfstein für die Ankündigungen vom 11. Oktober: ob die Unterstützung zum Schutz der Energieinfrastruktur eine präzisere diplomatische Form erhalten wird, ob die zusätzliche Finanzierung für die Verteidigung der Ukraine durch einen Betrag und einen Mechanismus bestätigt wird und ob die beiden Beitrittscluster vom politischen Vorhaben zu einer formalen Phase der Verhandlungen übergehen.
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