Die Europäische Kommission hat eine europäische Bürgerinitiative registriert, die strengere Regeln für die Ethik, Transparenz und Integrität europäischer politischer Parteien fordert und damit das offizielle Verfahren zur Sammlung von Unterschriften eingeleitet, jedoch vorerst keine gesetzgeberische Verpflichtung eingeht.
Kurz gesagt
Die Initiative zielt auf Ethik, Interessenkonflikte und die Finanzierung europäischer Parteien ab
Die Kommission hat die Initiative als rechtlich zulässig erklärt
Die Registrierung bedeutet keine politische Unterstützung
Es werden eine Million Unterschriften aus mindestens sieben Mitgliedstaaten benötigt
Nur nach Erreichen der Schwelle wird die Kommission entscheiden, ob sie Gesetzgebung vorschlägt
Die Initiative mit dem Titel „Ethics, Transparency and Integrity for European Political Parties“ fordert die Europäische Kommission auf, ein europäisches Modell für ethische Governance zu entwickeln und Änderungen sowie die Stärkung der EU-Verordnung über europäische politische Parteien und Stiftungen vorzuschlagen. Die Organisatoren fordern strengere Anforderungen in Bereichen wie Interessenkonflikte, Transparenz des Entscheidungsprozesses, unethisches Verhalten und Finanzierung.
Die Kommission hat die Registrierung der Initiative beschlossen, nachdem sie festgestellt hat, dass diese die formalen Bedingungen der EU-Gesetzgebung zur europäischen Bürgerinitiative erfüllt. Die Gemeinschaftsbehörde betont jedoch ausdrücklich, dass sie in diesem Stadium den Inhalt der Vorschläge nicht geprüft hat und dass die Registrierung keine zukünftige Entscheidung über mögliche legislative Maßnahmen beeinflusst.
Politisch spiegelt der Schritt einen zunehmend sichtbaren zivilgesellschaftlichen Druck auf die Funktionsweise europäischer Parteien wider, in einem Kontext, der von Debatten über demokratische Integrität, politische Finanzierung und das öffentliche Vertrauen in die EU-Institutionen geprägt ist. Gleichzeitig bleibt die Reaktion der Kommission strikt prozedural und grenzt klar zwischen ihrer Rolle als Hüterin der Verträge und als politischer Akteur ab.
Der nächste Schritt liegt bei den Organisatoren der Initiative, die sechs Monate Zeit haben, um die Phase der Unterschriftensammlung zu eröffnen. Diese wird 12 Monate dauern, in denen mindestens eine Million Unterstützungen aus mindestens sieben Mitgliedstaaten gesammelt werden müssen. Nur wenn diese Schwelle erreicht wird, ist die Kommission verpflichtet, offiziell zu reagieren und zu erklären, welche Maßnahmen sie beabsichtigt zu ergreifen oder warum sie sich entscheidet, keine Gesetzgebung vorzuschlagen.
Die europäische Bürgerinitiative ist ein Instrument der partizipativen Demokratie, das durch den Vertrag von Lissabon eingeführt wurde und es den EU-Bürgern ermöglicht, der Kommission legislative Vorschläge in Bereichen vorzulegen, die in ihrer Zuständigkeit liegen. Seit der Einführung des Mechanismus im Jahr 2012 hat die Kommission 125 Initiativen registriert, jedoch haben nur einige wenige von ihnen zu konkreten legislativen Maßnahmen geführt.