Etwa acht Monate nach ihrer Festnahme hat die deutsche Generalstaatsanwaltschaft Ilona W., eine 57-jährige deutsch-ukrainische Geschäftsfrau, wegen des Verdachts auf Spionagetätigkeiten zugunsten Russlands angeklagt.
Der SPIEGEL zufolge umfasst die Anklageschrift 74 Seiten. Daraus geht hervor, dass die Frau seit November 2023 sensible Informationen an einen mutmaßlichen Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU geliefert haben soll, der unter diplomatischer Tarnung an der russischen Botschaft in Berlin tätig war. Andrej M. soll Deutschland Anfang des Jahres verlassen haben.
Ilona W. wurde am 21. Januar festgenommen. Im selben Zeitraum wurden die Wohnungen zweier ehemaliger Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums durchsucht, zu denen sie Verbindungen gehabt haben soll. Der ursprüngliche Verdacht der Spionage in einem besonders schweren Fall scheint sich nicht bestätigt zu haben.
Die Staatsanwälte werfen der Frau vor, Informationen über Teilnehmer politischer Treffen sowie über die deutsche Verteidigungspolitik und Rüstungsindustrie gesammelt zu haben. Zu den ins Visier genommenen Veranstaltungen sollen der „NATO-Talk“ im November 2023 und das Deutsch-Ukrainische Wirtschaftsforum im Dezember 2025 gehört haben. Außerdem soll sie dazu beigetragen haben, den mutmaßlichen russischen Agenten im Februar 2024 unter falscher Identität in ein Treffen von Bundeswehrreservisten einzuschleusen.
Der Anwalt der Frau hatte zuvor die weit gefasste Auslegung des Straftatbestands der geheimdienstlichen Agententätigkeit kritisiert. Die Vorwürfe sollen nun von einem Gericht geprüft werden.
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