Nach einem Jahrzehnt an der Spitze der FIFA gerät Gianni Infantino in eine neue Druckzone: nicht von einem klaren Wahlgegner, sondern von einer Koalition von Verbänden und Führungspersönlichkeiten, die die politische und kommerzielle Richtung des Weltfußballverbands in Frage stellen. Es geht nicht nur um Infantinos Image, sondern auch um die Fähigkeit der Opposition, Unzufriedenheit in ein formelles Verfahren umzuwandeln, unter den Bedingungen des FIFA-Systems, in dem jeder nationale Verband eine Stimme hat.
Die Stabilität seines Mandats wird politisch angefochten, wobei der Verband von Wales der erste Verband ist, der die offizielle Unterstützung für Infantinos Wiederwahl zurückgezogen hat, während die UEFA und mehrere europäische Verbände nach der Kontroverse um den Verkauf von Paketen aus der Weltmeisterschaft kritisch reagiert haben.
Wie die Abstimmung funktioniert
Die FIFA hat 211 Mitgliedsverbände, und die Wahl des Präsidenten erfolgt durch den Kongress, durch die Stimmen dieser Mitglieder, nicht durch einen gewichteten Mechanismus basierend auf der Größe des Landes oder des Verbandes. Praktisch bedeutet dies, dass ein kleiner Verband das gleiche Stimmgewicht hat wie ein großer, und regionale Koalitionen enorm wichtig sind.
Die Amtszeit des Präsidenten ist auf 12 Jahre begrenzt, und Infantino hat bereits einen ausreichend langen Weg zurückgelegt, um bis 2031 wahlberechtigt zu bleiben, es sei denn, es kommt zu einem größeren politischen Bruch. Die Wahlen für die nächste Amtszeit sind für März 2027 in Marokko angesetzt.
Wer ihn anfechtet
Der sichtbarste Oppositionsblock ist die UEFA, die sogar eine Dringlichkeitssitzung zu den FIFA-Plänen einberufen hat, und die europäischen Verbände haben bis hin zu Diskussionen über einen Boykott der Weltmeisterschaft gegriffen, falls das Projekt zur Vermarktung der Rechte voranschreitet. Daher kommt die Anfechtung nicht nur von einigen Funktionären, sondern vom gesamten europäischen Block, das heißt, 55 potenzielle Stimmen.
Öffentlich gegen ihn ausgesprochen haben sich auch einflussreiche Akteure außerhalb der Verbände, wie Javier Tebas, der Präsident der spanischen Profiliga (LaLiga), der seinen Rücktritt gefordert hat und behauptet, dass die FIFA kommerzielle Entscheidungen zum Nachteil des Spiels trifft. Rund um ihn gibt es auch Spannungen, die durch andere Fälle und Beschwerden, einschließlich der Wiederbelebung des Konflikts mit Michel Platini, verursacht werden.
Wer ihn unterstützt
Zur gleichen Zeit hat Infantino eine sehr breite Unterstützung hinter sich: Laut aktuellen Berichten hätten über 200 Länder ihm ihre Unterstützung für die Wiederwahl zugesichert, während nur einige Verbände ihre Unterstützung noch nicht bestätigt haben. Dies zeigt, dass er außerhalb Europas politisch sehr gut verankert bleibt.
Seine Unterstützung wird auch dadurch gestärkt, dass viele kleine Verbände Stabilität und Zugang zu den Ressourcen der FIFA bevorzugen, anstatt sich einer offenen Konfrontation mit dem amtierenden Präsidenten auszusetzen. Mit anderen Worten, die Opposition ist laut, aber noch nicht breit genug, um seine Position unmittelbar zu bedrohen.
Wer die Seiten wechseln könnte
Die wichtigsten potenziellen "Abtrünnigen" könnten aus außerhalb Europas kommen, insbesondere von Verbänden, die auf die Beziehung zur FIFA für Finanzierung und Entwicklungsprogramme angewiesen sind. Wenn die Unzufriedenheit mit dem Projekt der privaten Investoren zunimmt, könnten einige Verbände, die jetzt still sind, von Neutralität zu Opposition wechseln, insbesondere wenn die UEFA es schafft, auch andere Konföderationen zu mobilisieren.
Dennoch zeigt die derzeit verfügbare öffentliche Datenlage keinen klaren Block massiver Abtrünniger, der auf einen allgemeinen Aufstand hindeutet. Vielmehr gibt es eine kompakte europäische Front und den Rest der Welt, der bisher größtenteils ausgerichtet oder vorsichtig bleibt.
Unzufriedenheiten
Die Kritik an Infantino konzentriert sich auf drei Themen: übermäßige Kommerzialisierung, Machtkonzentration und mangelnde echte Konsultation der Verbände. Der Plan, Teilnahmen oder Rechte im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft zu verkaufen, wurde von vielen als Versuch wahrgenommen, den Weltfußball in ein finanzielles Asset zu verwandeln.
Es gibt auch den Vorwurf, dass wichtige Entscheidungen durch eine PR-Logik und persönliche Macht durchgedrückt werden, nicht durch institutionellen Konsens. Das erklärt, warum sogar Führungspersönlichkeiten aus dem Bereich des Vereinsfußballs, wie Tebas, öffentlich seinen Rücktritt fordern.
Frühere Skandale
Infantino wird seit Beginn seiner Karriere von Kontroversen verfolgt, einschließlich des Falls von Michel Platini, der ihn beschuldigte, Manöver unternommen zu haben, um ihn aus dem Rennen um die FIFA-Präsidentschaft 2015 auszuschließen. Die kürzlich von Platini eingereichte Beschwerde hat dieses Kapitel wieder zur Diskussion gebracht.
Er wurde auch dafür kritisiert, wie er den politischen Einfluss der FIFA konzentriert hat, und nun ist der Plan bezüglich privater Investoren zu seiner größten politischen Niederlage in letzter Zeit geworden. Die Tatsache, dass er gezwungen war, dieses Projekt aufzugeben, zeigt, dass die Opposition dennoch konkrete Ergebnisse erzielen kann.
Wie er abgesetzt werden kann
Formal ist seine Absetzung nicht einfach: Die FIFA-Regeln erlauben die Einleitung eines Misstrauensvotums, wenn das Verfahren von 46 Mitgliedsverbänden unterstützt wird. Das bedeutet, dass die Opposition von öffentlicher Unzufriedenheit zu einer realen prozeduralen Mehrheit übergehen muss.
Praktisch ist der Schlüssel die Anzahl der Verbände, die sich auf die Seite der Gegner stellen und wie schnell eine Koalition außerhalb Europas aufgebaut werden kann. Ohne dies kann politischer Druck ein Projekt schwächen, aber nicht unbedingt die Präsidentschaft.
Potenzielle Nachfolger
In den bisher geäußerten Positionen gibt es keinen eindeutigen und unvermeidlichen Namen für die Übernahme der FIFA-Spitze. Wenn von einem möglichen Nachfolger gesprochen wird, bleibt die Diskussion bisher eher spekulativ als strukturiert um einen klaren Favoriten.
Die wahrscheinlichste Entwicklung, falls Infantino zum Rücktritt gedrängt wird, wäre ein Kampf zwischen Kandidaten, die von regionalen Blöcken unterstützt werden, nicht das sofortige Auftauchen einer globalen Konsensfigur. Bis dahin bleibt Infantino jedoch der Favorit des Systems, das er leitet.
Analyse erstellt mit Unterstützung von Perplexity
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