Die Hälfte der kleinen Unternehmen in der EU hält sich für gerüstet, um geopolitische Risiken zu bewältigen, verglichen mit 73 % der großen Unternehmen. Dies geht aus den Ergebnissen einer 2025 durchgeführten Umfrage hervor, die von der Europäischen Investitionsbank (EIB) veröffentlicht wurde. Der Unterschied von 23 Prozentpunkten betrifft die von den Unternehmen selbst angegebene Vorbereitung und verdeutlicht eine Kluft, die die Autoren möglicherweise mit unterschiedlichen finanziellen Ressourcen und Analysekapazitäten erklären.
Auf einen Blick Die angegebene Vorbereitung nimmt mit der Unternehmensgröße zu. Der Anteil liegt bei 47 % für Kleinstunternehmen mit 5–9 Beschäftigten, die in die Untersuchung einbezogen wurden, bei 50 % für kleine Unternehmen, 62 % für mittlere Unternehmen und 73 % für große Unternehmen. In der Gesamtheit der europäischen Unternehmen in der Umfrage halten sich 64 % für gerüstet, aber nur 5 % sagen, sie seien sehr gut vorbereitet. Weitere 59 % bezeichnen sich als einigermaßen vorbereitet, während 36 % einen niedrigen Vorbereitungsgrad oder gar keine Vorbereitung angeben. Unternehmen, die Handel mit den USA oder China treiben, halten sich für besser vorbereitet als Unternehmen, die ausschließlich innerhalb der EU Handel betreiben. Die Autoren legen nahe, dass die Erfahrung mit Störungen sie dazu veranlasst haben könnte, früher in Anpassungsmaßnahmen zu investieren, ohne nachzuweisen, dass dies die einzige Erklärung ist. An der Umfrage nahmen 1.165 Importeure und Exporteure aus der EU teil, die zwischen Mai und Oktober 2025 befragt wurden. Die Ergebnisse sind nach der Wertschöpfung der Unternehmen gewichtet und messen deren Selbsteinschätzung, nicht ihre Leistung in einem Stresstest.
Die Kluft zwischen kleinen und großen Unternehmen zeigt sich in einer schrittweisen Entwicklung zwischen den Größenkategorien. Das Diagramm des Berichts weist 47 % für Kleinstunternehmen, 50 % für kleine Unternehmen, 62 % für mittlere Unternehmen und 73 % für große Unternehmen aus. Mittlere Unternehmen liegen damit bei ihrer Einschätzung näher an den großen Unternehmen als an den Kleinstunternehmen.
Die in dieser Analyse verwendete Klassifizierung basiert auf der Zahl der Beschäftigten. Die Kategorie der Kleinstunternehmen umfasst Unternehmen mit 5–9 Beschäftigten, die der kleinen Unternehmen solche mit 10–49 Beschäftigten und die der mittleren Unternehmen solche mit 50–249 Beschäftigten. Große Unternehmen haben mindestens 250 Beschäftigte. Das Ergebnis für Kleinstunternehmen umfasst somit nicht auch Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten.
Die angegebene Vorbereitung bedeutet in den meisten Fällen kein sehr hohes Maß an Zuversicht. Von den insgesamt untersuchten europäischen Unternehmen halten sich 59 % für einigermaßen vorbereitet und nur 5 % für sehr gut vorbereitet. Zusammen ergeben sie den vom Bericht als Vorbereitung auf geopolitische Risiken ausgewiesenen Anteil von 64 %; die übrigen 36 % erklären, sie seien wenig oder gar nicht vorbereitet.
Die Autoren sind der Auffassung, dass der Nachteil kleinerer Unternehmen auf finanzielle Einschränkungen und den Mangel an spezialisierten Beschäftigten zurückgehen könnte, die geopolitische Entwicklungen verfolgen und ihre Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit bewerten. Vorbereitung setzt somit neben den für die Anpassung erforderlichen Ressourcen auch die Fähigkeit voraus, Probleme vorherzusehen. Der Bericht stellt diese Erklärungen als plausible Hypothesen dar, ohne den jeweiligen Beitrag zur Differenz zwischen den Kategorien zu quantifizieren.
Die internationale Präsenz führt zu einem Ergebnis, das nicht automatisch dem Risikoniveau entspricht. Unternehmen, die mit den USA oder China Handel treiben, bezeichnen sich als besser vorbereitet als Unternehmen, die ausschließlich innerhalb der EU Handel betreiben. Die Autoren sind der Ansicht, dass die Erfahrung mit Störungen und die Erwartung, dass diese anhalten könnten, frühere Investitionen in Resilienz gefördert haben könnte. Aus diesem Zusammenhang folgt nicht, dass der Handel mit diesen Märkten sicherer ist.
Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Sektoren. Im Baugewerbe halten sich 49 % der Unternehmen für vorbereitet, verglichen mit 58 % in der Kategorie Elektronik und Maschinenbau und 69 % im Dienstleistungssektor. Das Baugewerbe weist unter den dargestellten Sektoren das niedrigste Niveau auf. Der Bericht merkt an, dass Unternehmen in diesem Bereich historisch weniger Anpassungen angesichts größerer Störungen angegeben haben.
In seinen Empfehlungen spricht sich die Studie dafür aus, Unternehmen bei der kontinuierlichen Antizipation und Bewältigung von Risiken zu unterstützen. Die Autoren schlagen gezielte Finanzinstrumente vor, darunter Garantien und Versicherungen, sowie Frühwarnmechanismen, bessere Informationen über geopolitische Risiken und Investitionen in Kompetenzen. Dabei handelt es sich um Empfehlungen für die öffentliche Politik; der Bericht kündigt kein neues Finanzierungsprogramm speziell für kleine Unternehmen an.
Für Informationen über Handelsbedingungen stellt die Europäische Kommission bereits das Portal Access2Markets bereit. Ein Unternehmen kann das Produkt sowie den Import- oder Exportmarkt eingeben, um Zölle, Zollverfahren, geltende Produktanforderungen und Ursprungsregeln einzusehen. Das Instrument bietet ein konkretes Beispiel für den Zugang zu Handelsinformationen; der EIB-Bericht bewertet nicht dessen Einfluss auf die von Unternehmen angegebene Vorbereitung.
Die Daten stammen aus der von der EIB gemeinsam mit der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU der Europäischen Kommission durchgeführten Umfrage zu Lieferketten. Die Untersuchung umfasste 1.165 Importeure und Exporteure aus der EU, die zwischen Mai und Oktober 2025 befragt wurden; die Antworten sind nach der Wertschöpfung der Unternehmen gewichtet. In der Frage wurden die Unternehmen gebeten, ihren eigenen Vorbereitungsgrad einzuschätzen, ohne zu prüfen, wie lange sie die Produktion fortsetzen könnten oder welche Verluste sie im Fall einer tatsächlichen Störung erleiden würden.
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