Steven Everts vertritt die Auffassung, dass die Europäer ihre Diplomatie koordinieren müssen, um bei Verhandlungen zwischen den Großmächten nicht an den Rand gedrängt zu werden. Die Empfehlung erscheint in einem Kommentar über die Beziehungen zu China und stellt weder die Ernennung eines Sondergesandten noch eine Entscheidung der EU dar.
Die Europäer sollten einen einzigen Verhandlungsführer mit einem klaren Mandat in ihrem Namen für die Diplomatie im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine benennen, schlägt Steven Everts, Direktor des Instituts der Europäischen Union für Sicherheitsstudien, in einem am 30. Oktober veröffentlichten Kommentar vor. Er warnt, dass ein Europa, das seine Position nicht koordiniert, Gefahr läuft, bei Gesprächen zwischen den Großmächten an den Rand gedrängt zu werden.
Kurz zusammengefasst
1.Steven Everts empfiehlt einen einzigen europäischen Verhandlungsführer, der von einem gemeinsamen und klaren Mandat getragen wird, damit die Europäer ihre Interessen in den Gesprächen über die Ukraine verteidigen können.
2.Es handelt sich um einen Vorschlag aus einem analytischen Kommentar des Direktors des EUISS. Er stellt keine Entscheidung der EU-Institutionen dar und kündigt nicht die Ernennung einer Person an.
3.Der Autor befürwortet die Beteiligung der Ukraine und Europas an den sie betreffenden Entscheidungen. Der Vorschlag bedeutet nicht, dass die Europäer anstelle Kiews verhandeln sollen.
4.Das Hauptthema des Textes sind die Beziehungen zu China. Everts argumentiert, dass Europa über wirtschaftliche und diplomatische Instrumente verfügt, die es wirksamer einsetzen könnte, wenn es koordiniert handelt.
5.Die offizielle Position des Europäischen Rates bleibt die Unterstützung eines gerechten und dauerhaften Friedens, der auf der Souveränität der Ukraine und glaubwürdigen Sicherheitsgarantien beruht. Der Weg zum Frieden kann nicht ohne die Ukraine entschieden werden.
Die Empfehlung erscheint in einem Text, in dem Everts die Vorstellung zurückweist, Europa verfüge im Verhältnis zu Peking über zu wenige Einflussmöglichkeiten. Der Kommentar, der ursprünglich am 29. Oktober in der niederländischen Tageszeitung NRC veröffentlicht und am folgenden Tag vom EUISS auf Englisch erneut veröffentlicht wurde, stellt die Beziehungen zu China in Zusammenhang mit der Fähigkeit der Europäer, in den großen Sicherheitsfragen gemeinsam zu handeln.
Seiner Ansicht nach besteht das europäische Problem nicht nur im Zugang zum Verhandlungstisch, sondern auch in der Fähigkeit, mit Autorität im Namen einer gemeinsamen Position zu sprechen. Ein Verhandlungsführer mit einem klaren Mandat sollte die diplomatische Fragmentierung verringern und verhindern, dass Europa als bloßer Zuschauer von Vereinbarungen zwischen Washington, Peking und Moskau behandelt wird.
Everts plädiert für eine aktivere Diplomatie, einschließlich der Überwindung der Zurückhaltung gegenüber einem Dialog mit Wladimir Putin. Gleichzeitig betont er, dass die Entscheidungen über die Ukraine und Europa diese einbeziehen müssen. Sein Argument räumt Russland kein Recht ein, über ukrainisches Hoheitsgebiet zu entscheiden, und überträgt einem möglichen europäischen Sondergesandten nicht die Vertretung Kiews.
Die Einrichtung einer solchen Funktion, die Auswahl der Person und die Festlegung des Mandats würden eine spätere politische Entscheidung erfordern. Der Kommentar kündigt nicht an, dass diese Schritte bereits erfolgt sind. Der Autor formuliert als Direktor eines Analyseinstituts eine außenpolitische Empfehlung; der Text ist keine vom Europäischen Rat oder von der Kommission angenommene Position.
In den Schlussfolgerungen der Tagung vom 15.–16. Oktober bekräftigten die EU‑Staats- und Regierungschefs ihre Unterstützung für die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine. Sie forderten einen umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden auf Grundlage der UN‑Charta, der durch glaubwürdige Sicherheitsgarantien unterstützt wird. Das Dokument stellt klar, dass über den Frieden nicht ohne die Ukraine entschieden werden kann und dass die Union über Fragen entscheiden wird, die in ihre Zuständigkeit fallen oder ihre Sicherheit beeinträchtigen.
In Bezug auf China vertritt Everts die Auffassung, dass die Abhängigkeiten wechselseitig sind und die Europäer ihren Markt, ihre Handelsinstrumente und ihre diplomatischen Beziehungen kohärenter nutzen sollten. Der Vorschlag eines Verhandlungsführers für die Ukraine ist ein Beispiel für diese Idee: Der europäische Einfluss hängt nicht nur von den verfügbaren Ressourcen ab, sondern auch vom Vorhandensein einer gemeinsamen Position, die in Verhandlungen vertreten werden kann.
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