Etwa 30 Protestierende drangen am Montagabend in den Sitz des Vučić-nahen Senders Informer TV in Belgrad ein und unterbrachen die Sendungen. Sie forderten die Verhaftung des Chefredakteurs und Eigentümers des Fernsehsenders, Dragan Vučićević. Der Vorfall ereignete sich einen Tag nach der historischen Wahl, bei der die „Studentenliste“, die von der studentisch geführten Antikorruptionsbewegung unterstützt wurde, Vučić nach 14 Jahren politischer Vorherrschaft abgesetzt haben soll.
Die Protestierenden umringten Vučićević während einer Liveübertragung und skandierten Botschaften wie „So sieht es im freien Serbien aus“ und „Wo ist Vučić jetzt?“. Der ehemalige Präsident bezeichnete die Aktion als Angriff auf die Meinungsfreiheit und den Journalismus.
Am selben Abend gingen in Serbien zum zweiten Mal in Folge Zehntausende Menschen auf die Straßen und feierten das Wahlergebnis. Der Spitzenkandidat der Studentenliste, der Kardiologe Ilija Srdanovic, rief zur Ruhe auf und lehnte jede Form von Gewalt ab.
Die Unabhängige Journalistenvereinigung Serbiens kündigte an, den Entzug der Lizenz von Informer TV zu fordern, und warf dem Sender systematische Gesetzesverstöße vor. Auch ein weiterer Vučić-freundlicher Sender, Pink TV, wurde von Protestierenden umringt. Zugleich entschuldigte sich der öffentlich-rechtliche Sender RTV für die als einseitig und unkritisch eingestuften Berichte. Serbien belegt im Pressefreiheitsranking von Reporter ohne Grenzen für das Jahr 2026 Platz 104 von 180.
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