Ein polnischer Parlamentsausschuss hat am Freitag gefordert, den Zentralbankchef Adam Glapiński wegen des Vorwurfs, bei der Ausübung seines Amtes gegen die Verfassung und geltende Gesetze verstoßen zu haben, vor Gericht zu stellen. Der Ausschuss wird von Zdzislaw Gawlik geleitet, einem Mitglied der Partei des liberalen Ministerpräsidenten Donald Tusk.
In dem Bericht wird Glapiński vorgeworfen, das Haushaltsdefizit durch den Ankauf von Vermögenswerten in den Jahren 2020 und 2021 indirekt finanziert zu haben, ohne die Genehmigung des Rats für Geldpolitik. Ein weiterer Vorwurf betrifft die Politisierung der Zentralbank.
Der Bericht soll dem Sejm, dem Unterhaus des polnischen Parlaments, vorgelegt werden. Dieser entscheidet per Abstimmung, ob die Resolution über die Anklage des Zentralbankchefs angenommen wird. Die Abstimmung kann frühestens 21 Tage nach dem Zeitpunkt stattfinden, an dem alle Abgeordneten die Möglichkeit hatten, das Dokument zu prüfen.
Adam Glapiński, der sich in seiner zweiten und letzten Amtszeit befindet, die im Juni 2028 endet, weist die Vorwürfe zurück und betont, dass Regierung und Parlament nicht in die Geldpolitik eingreifen dürften. Er erklärte, dem politischen Druck nicht nachgeben zu wollen.
Der Zentralbankchef unterhält seit Langem Verbindungen zu Jaroslaw Kaczynski, dem Vorsitzenden der nationalistischen Partei Recht und Gerechtigkeit, die 2023 von der von Tusk geführten Koalition aus der Regierung verdrängt wurde. Für die Annahme der Resolution ist eine absolute Mehrheit erforderlich. Das Verfassungsgericht stellte jedoch 2024 fest, dass die erforderliche Schwelle bei drei Fünfteln liegen sollte. Die Regierung erkennt die Gültigkeit dieser Entscheidung nicht an.
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