Acht Tage vor den Zwischenwahlen am 3. November 2026 zeigen Umfragen und Wahlmodelle die Demokraten als Favoriten für die Übernahme des Repräsentantenhauses und, in geringerem Maße, des Senats. Dennoch bleiben Analysten vorsichtig: Die Fehlerquote der Umfragen von 2016 und 2020 sowie die Schwierigkeit, die von Donald Trump mobilisierten Wähler zu erfassen, mahnen zur Zurückhaltung, bevor man von einer garantierten „blauen Welle“ spricht.
Warum die Zahlen mit Vorsicht betrachtet werden müssen
Das Pew Research Center zeigte, dass die nationalen Umfragen 2020 bei der Volksabstimmung die größte Fehlerquote der vergangenen 40 Jahre aufwiesen und die Fehlerquote auf Bundesstaatsebene zu den höchsten der vergangenen zwei Jahrzehnte gehörte. Der Fehler war nicht zufällig: Die Unterstützung für Trump wurde wiederholt unterschätzt.
Für 2026 bleibt diese Erfahrung relevant, weil Trump weiterhin im Mittelpunkt des Wahlkampfs steht, auch wenn er nicht persönlich kandidiert. Pew schätzt, dass 63 % der Wähler ihn als Faktor bei der Abstimmung über den Kongress betrachten, während 44 % sagen, ihre Stimme sei tatsächlich eine Stimme „gegen“ ihn, gegenüber nur 19 %, die sie als Stimme „für“ ihn sehen.
Die wichtigsten Gründe für Vorsicht
Selektive Nichtbeantwortung: Trump-Anhänger lassen sich tendenziell schwerer in Stichproben einbeziehen, insbesondere wenn sie den Medien und Institutionen skeptisch gegenüberstehen.
Schätzung der Wahlbeteiligung: Umfragen erfassen nicht nur Präferenzen, sondern versuchen vorherzusagen, wer tatsächlich wählen geht; eine späte Mobilisierung der Republikaner kann das Ergebnis verändern.
Der Trump-Effekt auf die Kongresswahl: Ein Wähler kann mit der Regierung unzufrieden sein, aber bei manchen lokalen Wahlen dennoch republikanisch wählen.
Der Unterschied zwischen nationalen Umfragen und lokalen Wahlkämpfen: Ein demokratischer Vorsprung von 8 Punkten auf nationaler Ebene führt nicht automatisch zu einheitlichen Gewinnen in Wahlbezirken und Bundesstaaten.
Wer stimmt weiterhin für Trump und die Republikaner?
Die traditionelle republikanische Wählerschaft bleibt wichtig: konservative, religiöse Wähler, Kleinunternehmer und Bewohner ländlicher Gebiete. Doch Trump hat auch schwerer vorhersehbare Gruppen in die Koalition eingebracht, insbesondere Arbeiter ohne Hochschulabschluss, verfassungsfeindliche Wähler und Menschen aus postindustriellen oder exurbanen Gebieten.
2026 scheint die Koalition jedoch weniger gefestigt zu sein. Pew zufolge unterstützen derzeit 77 % der Wähler, die 2024 für Trump gestimmt haben, die republikanischen Kandidaten für das Repräsentantenhaus, gegenüber 87 % der Kamala-Harris-Wähler, die die Demokraten unterstützen. Zudem unterstützen von den Trump-Wählern, die eine ungünstige Meinung über die Republikanische Partei haben, nur 49 % einen Republikaner für das Repräsentantenhaus; mehr als ein Drittel sagt, sie sei sich nicht sicher oder bevorzuge einen anderen Kandidaten.
Weiße Evangelikale bleiben jedoch Trumps stabilste Basis. Reuters/Ipsos schätzt, dass seine Unterstützung in dieser Gruppe im Oktober 2026 auf 63 % gesunken ist, gegenüber 77 % im Januar 2025, aber sie bleibt die einzige große beobachtete demografische Gruppe, in der die Unterstützung über 60 % liegt. Weiße Evangelikale machen etwa 13 % der erwachsenen US-Bevölkerung aus, aber nahezu ein Drittel der siegreichen Wählerkoalition Trumps im Jahr 2024.
Repräsentantenhaus: Die Demokraten sind klare Favoriten
Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus stehen zur Wahl. Pew misst einen demokratischen Vorsprung von 8 Prozentpunkten auf nationaler Ebene: 44 % gegenüber 36 % für die Republikaner unter den registrierten Wählern.
Wahlmodelle übersetzen diesen Vorsprung in einen deutlichen Vorteil für die Demokraten. Nate Silvers Modell gibt ihnen eine Wahrscheinlichkeit von etwa 95 %, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu gewinnen, während The Conversation dieselbe Prognose zusammenfasst: Die Demokraten sind überwältigende Favoriten, wenn sie im „generic ballot“ einen Vorsprung von 2–3 Punkten erzielen.
Ein nationaler Vorsprung garantiert jedoch keine große Mehrheit. Der Cook Political Report stuft den Wahlkampf in zahlreichen Wahlbezirken als offen für jedes Ergebnis ein, und die geografische Verteilung der Stimmen kann den Demokraten selbst in einem günstigen Jahr nur eine knappe Mehrheit bescheren.
Senat: Die Demokraten sind Favoriten, aber das Rennen bleibt offen
Der Senat ist deutlich unsicherer als das Repräsentantenhaus. Die Republikaner starten mit einer Mehrheit von 53–47, und die Demokraten benötigen einen Nettogewinn von vier Sitzen, um 2027 die Kontrolle über die obere Kongresskammer zu übernehmen.

Der Unterschied zwischen diesen Modellen zeigt genau, warum Analysten Gewissheiten vermeiden: Der Senat hängt von einigen Schlüsselstaaten ab, und eine Umfrageabweichung von nur ein oder zwei Punkten kann die Kontrolle über die Kammer umkehren.
Warum Trump ein unberechenbarer Faktor bleibt
Auch wenn Trumps Zustimmungswert in der Pew-Umfrage vom Oktober auf 30 % gesunken ist, bedeutet dies nicht automatisch einen Zusammenbruch der Republikaner. Einige seiner Wähler könnten von der Partei oder der Regierungsleistung enttäuscht sein, am Wahltag aber dennoch zu den Republikanern zurückkehren, insbesondere in Staaten mit geringem Wettbewerb oder in Wahlkämpfen, in denen der republikanische Kandidat als unabhängig von Trump wahrgenommen wird.
Darüber hinaus haben die Demokraten einen klaren Mobilisierungsvorteil: Pew stellt fest, dass ihre Unterstützer um 17 Prozentpunkte eher angeben, „extrem motiviert“ zu sein, wählen zu gehen. Doch die Mobilisierung kann teilweise durch republikanische Ausgaben ausgeglichen werden: In den sieben Senatswahlkämpfen, die Cook als ausgeglichen betrachtet, geben die Republikaner 947 Millionen Dollar für Werbung aus, gegenüber 625 Millionen Dollar bei den Demokraten.
Fazit
Für den 3. November 2026 zeigen die Zahlen, dass die Demokraten sehr gute Chancen haben, das Repräsentantenhaus zu übernehmen, sowie reale, aber weniger sichere Chancen, den Senat zu gewinnen. Die Vorsicht der Analysten ergibt sich jedoch aus der jüngeren Geschichte: Trump hat wiederholt Wähler mobilisiert, die von Umfragen unterschätzt wurden, und 2026 scheinen einige von ihnen enttäuscht zu sein, aber nicht unbedingt den Wählerlisten fernzubleiben.
Analyse mit Unterstützung von Perplexity erstellt
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