Die Analyse von EPC–Eulytix weist auf einen Rückgang der Übereinstimmung der Abstimmungen von RN mit der EVP gegenüber der vorherigen Legislaturperiode und auf eine Annäherung an die EKR hin. Die Autoren unterscheiden zwischen dem Imagewandel der Partei in Frankreich und ihrem Verhalten im Europäischen Parlament; die Prozentsätze beziehen sich auf die untersuchten namentlichen Abstimmungen, nicht auf ein politisches Bündnis.
Rassemblement National (RN), die mit Marine Le Pen verbundene französische rechtsextreme Partei, stimmt seltener in dieselbe Richtung wie die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) als in der vorherigen Legislaturperiode, obwohl sie sich den Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR) angenähert hat. Die am 22. Oktober vom European Policy Centre (EPC) und Eulytix veröffentlichte Analyse zeigt, dass der Wandel des Parteibildes in Frankreich nicht mit einer vergleichbaren Annäherung an die politische Mitte Europas einhergeht.
Kurz zusammengefasst
Der Text von EPC–Eulytix berichtet von einem Rückgang der Übereinstimmung der RN-Abstimmungen mit der EVP von 41 % in den Jahren 2019–2024 auf knapp unter 34 % nach den Wahlen von 2024. Die Analyse bezieht sich auf namentliche Abstimmungen über Änderungsanträge und endgültige Texte.
Die Übereinstimmung mit der EKR stieg von 56 % auf 69 %, doch die Autoren berichten derzeit denselben Wert auch für ESN, die Fraktion, der die AfD angehört. Die Annäherung an die Konservativen bedeutet keine Abkehr von der radikalen Rechten.
Der Abstand zur EVP unterscheidet sich je nach Thema deutlich: Die Tabelle weist 4 % beim multilateralen Handel und 9 % beim Klima aus, aber 97 % bei der makrofinanziellen Hilfe für Drittstaaten.
RN stimmt in 35,1 % der untersuchten Fälle in dieselbe Richtung wie die Mehrheit des Parlaments. Bei Fratelli d’Italia lag der Anteil vor dem Eintritt in die Regierung bei 49,8 %; der Vergleich betrifft unterschiedliche Zeiträume.
Die erste Grafik zeigt die Mediane der nationalen Delegationen und nicht denselben Indikator wie die im Text genannten Fraktionsprozentsätze. Die Ergebnisse werden den Autoren zugeschrieben und beziehen sich auf ausgewählte namentliche Abstimmungen, ohne ein Bündnis oder die Entwicklung einer künftigen Regierung zu belegen.
Eric Maurice, Analyst beim EPC, und Attila Kovács, Generaldirektor von Eulytix, untersuchten namentliche Abstimmungen über Änderungsanträge und endgültige Texte im Europäischen Parlament im Zeitraum 2019–2026. Sie vergleichen die RN-Delegation mit politischen Fraktionen und nationalen Parteien und betrachten sowohl die Veränderung zwischen den Legislaturperioden als auch die Unterschiede zwischen den Themenbereichen.
Im Analysetext berichten die Autoren von einem Rückgang der Übereinstimmung der RN-Abstimmungen mit der EVP von 41 % in der Legislaturperiode 2019–2024 auf knapp unter 34 % im untersuchten Zeitraum nach den Wahlen von 2024. In die entgegengesetzte Richtung stieg die Übereinstimmung mit der EKR von 56 % auf 69 %, also um 13 Prozentpunkte. Die vierteljährlichen Trends in der Grafik für die Jahre 2019–2026 weisen dieselben Richtungen auf, auch wenn die Werte von Quartal zu Quartal schwanken.
Die Annäherung an die EKR löst RN nach Ansicht der Autoren jedoch nicht von den anderen Parteien der radikalen Rechten. Der Text weist auch für die Übereinstimmung mit Europa der souveränen Nationen (ESN), der Fraktion, der die AfD angehört, 69 % aus. Wenn EKR und ESN gleich abstimmen, schließt sich RN ihnen in 82 % der Fälle an. Wenn die beiden Fraktionen unterschiedliche Positionen vertreten, stimmt die französische Delegation in 44 % der Fälle wie ESN und in 40 % wie EKR; in den verbleibenden 16 % folgt sie keiner der beiden Positionen.
Die Unterschiede sind themenabhängig sichtbar. RN steht bei Erweiterung, Konflikten in Drittstaaten sowie Sicherheit und Verteidigung ESN näher, während EKR bei Geschlechtergleichstellung, dem Schutz der Privatsphäre und von Daten sowie beim Wettbewerb der nähere Bezugspunkt ist. In der thematischen Tabelle beträgt die Übereinstimmung von RN und EVP 4 % bei multilateralen Handelsabkommen, 7 % bei den EU-Werten, 9 % beim Klima, 13 % bei Konflikten in Drittstaaten, 18 % bei der Erweiterung und 19 % bei Energie.
Der Abstand ist nicht einheitlich. Dieselbe Tabelle weist bei der makrofinanziellen Hilfe für Drittstaaten eine Übereinstimmung von 97 % zwischen RN und EVP aus; für diese Kategorie werden 32 Abstimmungen angegeben. In der Agrarpolitik beträgt der Anteil 64 % und beim Wohnungswesen 65 %. Die Prozentsätze messen die Positionen in den Abstimmungen, die in die jeweilige Kategorie einbezogen wurden; sie zeigen weder, dass die Parteien identische Programme haben, noch stellen sie einen allgemeinen Wert der EU-Unterstützung dar.
RN gehört den Patrioten für Europa (PfE) an, einer 2024 gegründeten Fraktion. Die Autoren berichten eine Übereinstimmung von 81 % mit den anderen PfE-Delegationen sowie Werte von 78 % mit Chega und Vlaams Belang, 76 % mit Konfederacja, 75 % mit der Lega und 74 % mit Vox. Die Werte für ANO und Fidesz sind mit 69 % beziehungsweise 66 % niedriger. Maurice und Kovács interpretieren die Unterschiede auch vor dem Hintergrund der Regierungsverantwortung, die die Bereitschaft zu europäischen Kompromissen fördern kann.
Auch die Annäherung an die EKR wird laut dem Vergleich der Autoren nicht von RN angeführt. Die fünf anderen untersuchten Delegationen, die sowohl der früheren Fraktion Identität und Demokratie als auch PfE angehörten, steigerten ihre Übereinstimmung mit der EKR im Durchschnitt um 18 Prozentpunkte. RN liegt unter den sechs verglichenen Delegationen auf dem fünften Platz. Innerhalb der EKR weist der Text eine größere Nähe zur PiS mit 69 % aus als zu Fratelli d’Italia mit 66 % oder zur Nieuw-Vlaamse Alliantie mit 51 %.
Der Vergleich mit der Partei Giorgia Melonis ist für die politische Frage der Analyse wichtig: Würde RN nach einem Machtantritt eine ähnliche Anpassung vollziehen? Zwischen 2019 und 2022, vor der Regierungsübernahme in Italien, stimmte Fratelli d’Italia in 58 % der untersuchten Fälle wie die EVP. Die Übereinstimmung mit der Mehrheit des Parlaments lag bei 49,8 %, gegenüber 35,1 % für RN im aktuellen Zeitraum. Dieser letzte Indikator bedeutet eine Abstimmung in dieselbe Richtung wie die Mehrheit, nicht die Unterstützung einer dauerhaften Koalition.
Zwischen den veröffentlichten Indikatoren besteht ein wichtiger Unterschied. Die erste Grafik zeigt die Verteilung der nationalen Delegationen aus jeder Fraktion, und die markierten Werte sind Mediane: 77 % für die PfE-Delegationen ohne RN, 69 % für ESN, 67 % für EKR und 35 % für EVP. Diese Werte sind nicht derselbe Indikator wie die im Text für die Fraktionen angegebenen Prozentsätze. Die Veröffentlichung stellt nicht den vollständigen Datensatz der Abstimmungen und nicht alle für eine Reproduktion der Berechnungen erforderlichen Details zur Aggregation bereit.
Namentliche Abstimmungen ermöglichen laut den Erläuterungen des Europäischen Parlaments die Einsicht in die Position jedes Europaabgeordneten, umfassen jedoch weder alle Abstimmungsformen noch die Verhandlungen vor dem Plenum. Die Fraktionen vereinen Mitglieder nach politischer Affinität, ohne sie zu einer bestimmten Abstimmungsweise zwingen zu können. Das Verhalten der RN-Delegation darf daher nicht mit einer identischen Disziplin aller Mitglieder oder mit einem formellen Bündnis mit einer anderen Fraktion verwechselt werden.
Maurice und Kovács kommen zu dem Schluss, dass die Erfahrung von Fratelli d’Italia nicht die Annahme einer automatischen Annäherung von RN an die politische Mitte Europas rechtfertigt. Sie sind der Ansicht, dass eine mögliche Präsidentschaft Le Pens Kompromisse in der EU erschweren könnte, selbst wenn die Partei Schwierigkeiten hätte, Unterstützung für ihre eigenen Prioritäten zu gewinnen. Dies ist die Interpretation der Autoren auf Grundlage der beobachteten Abstimmungen, keine sichere Prognose der französischen Wahlen von 2027 oder der Entscheidungen einer künftigen Regierung.
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